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Im Gedenken an Ponsch
1996 - 2006
Nachdem meine Eltern
nie sonderlich angetan von meinem frühzeitigen "Hundewunsch" waren, fiel
die endgültige Entscheidung zu einem Vierbeiner dann mit der ersten eigenen Wohnung. Welche
Rasse, ich hatte keine Ahnung, nur nicht so klein sollte er sein. Also
Zeitung auf und die Anzeigen gewälzt. Man kann sich schließlich umschauen
und verschiedene Welpen anschauen fahren.:) "Rottweilerwelpen, 10
Wochen alt, ohne Papiere, 400 DM, abzugeben", das war auch schon eine der ersten
Annoncen. Ich bin gleich hin gefahren und hab mich sofort verliebt
und zwar nicht in irgendeinen, sondern gleich in den einen. Dieser lief
mir gleich hinterher, ließ sich kraulen und wollte selbst gern mit mir mit
und da die Welpen auch noch am gleichen Tag wie ich Geburtstag hatten,
dass musste ein gutes Zeichen sein.
Ich musste es dann nur
noch mit meinem damaligen Freund besprechen, es war Freitag und wir hatten
unsere gemeinsame Wohnung erst ab dem darauf folgenden Montag, also
reservierte ich meinen Traumwelpen und wollte ihn dann Montag abholen. Wir
konnten es aber beide dann nicht aushalten und holten ihn doch gleich
Samstag früh ab.
Wie nennt man denn nur diesen süßen
Fratz ? Mitte der 90er Jahre lief eine Serie im TV, die "CHiPs -
California Highway Patrol"
Erik Estrada, rechts im Bild hatte den
klangvollen Namen: Officer Francis Poncherello. Fand ich passend,
muss ja nicht jeder Hund Rex, Lassie, Ben oder Hasso heißen. Also hieß
mein Hund Poncherello oder halt kurz und eingedeutscht Ponsch.
Ich hatten dann 4 Wochen frei und
konnte mich ausführlich mit dem kleinen Kerl beschäftigen. Danach folgten
3 Monate Rettungssanitäterausbildung, wo Ponsch immer mit kommen konnte
und so hatten wir schon nach kürzester Zeit eine traumhafte Bindung
zueinander.
4
Wochen später konnte mein Freund dann seinen lang bestellten Welpen
abholen. Als Molosserfan, sollte es eine Deutsche Dogge sein. Berus und
Ponsch wurden beste Freunde und obwohl das Doggentier proportional viel
schneller wuchs als der ältere Ponsch und diesen schnell eingeholt hatte,
hat Ponsch da doch mehr zu sagen gehabt. Nichts gegen Doggen, aber Ponsch
war sich immer seiner Schnelligkeit, Wendigkeit und Cleverness gegenüber
dem Berus bewusst.
Da wurde gespielt, gebalgt, gerannt,
die beiden allein in der Wohnung, das konnte jeweils nur im Chaos enden.
Da wurden Klopapierrollen den Flur entlang gerollt, Sessel angenagt. Aber
Ponsch hat da ganz sicher immer nur zugeschaut.:) Das Doggentier war
auch lange noch undicht und so
eine Doggenblase, die fasst einiges an Inhalt. Wir hatten also immer
unseren Spaß, der Flur unserer WG war 10m lang und abschüssig...

Ponsch wuchs und wuchs und sah
irgendwie weniger und weniger wie ein echter Rottweiler aus. Die Schnauze
wurde immer länger und er war auch viel zu hochbeinig. Mir war das ja
egal, aber man will ja schon gern wissen, was da noch drin steckt. Viel
später irgendwann hat meine Mum zufällig ein Wurfgeschwisterchen von
Ponsch in der Stadt getroffen, sah exakt aus wie Ponsch, sie hat dessen
Herrchen deswegen angesprochen, weil sie dachte er hätte unseren Ponsch
geklaut. :)
Der wusste jedenfalls genaueres:
Ponsch's Vater war Rotti- Deutsch Kurzhaar-Mix, die Mutter war echt, die
hab ich ja gesehen. Diese Abstammung schlug immer dann durch, wenn Ponsch
ein "Jagtobjekt" erblickte. Er war zwar nie sehr lange im Wald
verschwunden, aber da können ja auch 2-3 min. Warten zur Qual werden.

| Hier
ist der Ponsch 1Jahr-1,5 Jahre alt, mit knapp 2 habe ich ihn nämlich
kastrieren lassen.:) Ich
erinnere mich noch an einen Spaziergang in einer Seitenstraße, bei
welchem Klein-Ponsch plötzlich auf ein Grundstück lief und Sekunden
später mit einem Zwergkaninchen im Maul wieder vor mir Stadt. Der
Schreck war groß. Wo hat der denn den Hasen her ? Ein Blick um die
Ecke zeigte ein geräumiges Freilaufgehege ohne Bedachung, da hat sich
da einfach einen raus genommen. Der konnte aber auch
rennen der Kerl und wurde gar nicht müde dabei und seine ersten 3
Lebensjahre wusste ich noch nicht, dass man einen Hund auch anders
auslasten kann, als ausschließlich mit Bewegung. So hat mich Ponsch am
Fahrrad quer durch die ganze Stadt gezogen und wieder zurück, ich
musste nicht einmal trampeln, nur die Bremsen waren permanent
abgenutzt..)
Aber so im Nachhinein hab ich
bei seiner Erziehung damals schon intuitiv vieles richtig
gemacht, Ponsch hörte recht gut, nicht perfekt, aber dafür wurde er
immer gewaltfrei und durch positive Bestärkung erzogen. |
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Das
war auch nicht sehr schwer, er lernte schnell und verstand schon
irgendwie, was ich wollte. Seine Abgeklärtheit, seine Lockerheit und sein
Selbstbewusstsein verziehen etliche Fehler in der Ausbildung. -Sitz- hieß
halt hinsetzen, da musste man nicht auf Stimme, Körperhaltung und
Handzeichen achten, Ponsch sah das alles ganz locker und cool. Der ideale
Übungshund halt.
Er hat ja auch seine gesamte Jugend
in der Innenstadt von Cottbus verbracht, den hat nichts aus der Ruhe
gebracht. Menschenmengen, Autos, Fahrräder, Rolltreppen, alles völlig
normal.
Als Ponsch 3,5 Jahre alt war, sah
ich auf einer Heimtiermesse eine Vorführung der Rettungshundestaffel
Spree-Neiße und war überzeugt: Das ist die richtige Freizeitbeschäftigung
für mich und meinen Hund und wurde sogleich dort vorstellig.
 
Nachdem sich Ponsch an die
Mitglieder dort gewöhnt hatte, er fand es zunächst überhaupt nicht lustig,
dass die Helfer ihn bei der Gerätearbeit zur Unterstützung immer anfassen
wollten, hat er eine steile Karriere hingelegt. Er lernte schnell, wie man
Leitern läuft, Bohlen überwindet und Helfer im Wald anzeigt.
Dort lernte Ponsch seine zukünftige
Frau, vorher Dauerfreundin bei jeder Läufigkeit, Sally kennen. Sally war
die Alpha-Hündin im RHS-Rudel. Sie wusste was gut ist und wollte sich
natürlich auch mit einem imposanten Rüden verpaaren. Sie wollte
Ponsch, immer nur Ponsch und da der ja kastriert war, stand etwas Spaß
nichts im Weg. Was war das für ein schönes Paar !
Auch seinen besten Freund Teddy lernte
er bei der Hundestaffel kennen, eine echte Männerfreundschaft, die bis zum
Schluss bestand hatte.
Dann sind wir zu meinen Eltern aufs
Grundstück gezogen, was Ponsch überhaupt nicht kümmerte. Tagsüber wird
schließlich geschlafen und er wollte da auch immer lieber in der Wohnung
bleiben, als das Grundstück zu bewachen.
Wenn jemand aufs Gehöft kam, hat er
zwar furchtbar schreckeinflößend gebellt, aber eigentlich war er eine richtige "Pfeife" und zu
"Bewachungszwecken" nur bedingt durch seine Statur einsetzbar. Wenn der
Einbrecher -Buh- gemacht hätte, Ponsch hatte sich umgedreht und sich in
irgendeiner Ecke versteckt. Ein Schaf, er war ein richtiges Schaf.
Mit 5 ist Ponsch mal in eine
Scherbe getreten, so doll, dass das unter Narkose genäht werden musste. Um
die Naht zu schützen gab's einen Gipsverband.
Ponsch
wachte aus der Narkose auf und war überzeugt das Ding muss ab, Hund kann
so unmöglich laufen. Aber auch das lernte er schnell und kam auf
beachtliche Geschwindigkeiten im 3-Bein-Sprung.
Am 3. Tag nach der OP sind wir ein
kleines Stück gelaufen, es war Sommer und ziemlich heiß, was macht der
Ponsch: gibt Gas und rennt ab in die Spree zum Abkühlen. Nun war der
Gipsfuß randvoll mit Wasser, beim TA konnten wir uns eine Standpauke vom
feinsten abholen...
Aber das verheilte mit einem
lockeren Verband und nachts sogar ohne damit Luft dran, kommt eh viel
besser.
Zu Ponschis größten Leidenschaften
gehörten neben dem Fressen und ab und an einer erheiternden Rehhatz, das
Buddeln und der Transport von großen Stöcken:


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Ponsch
war stets ein sehr sportlicher, aktiver Hund. Unwohlsein und
Krankheiten kannte er nicht, außer er hatte sich mal wieder den Bauch
zu voll gehauen.
Wir erinnern uns noch
schmerzlich an die Silberhochzeit meiner Eltern, 3 Tage danach komm
ich von Arbeit nach Hause und finde Ponsch bewegungsunfähig in seinem
Körbchen. Der schnappte nach Luft und hatte eine Wanne, die zu platzen
drohte. |
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Mit dem Verdacht einer
Magendrehung ging es eiligst ab zum Tierarzt, welcher im Magen "nur" 3
sauer gewordene Sahnetorten vorfand, welche meine Eltern auf dem
Komposthaufen unter Laub entsorgt hatten. Das war natürlich für Ponsch
kein Problem, der hatte sogar das Laub mit gefressen. 3 Tage Fasten und
dann Schonkost hieß die
Therapie.

Auch die Melanom-Entfernung an 3 Pfoten
gleichzeitig hat Ponsch super weg gesteckt, obwohl er von den
Beschäftigungsideen für drinnen nicht so begeistert war, wie das Bild
zeigt. Wer kommt auch auf eine so blöde Idee, Leckerchen in einem Karton
zu verstecken...
Am meisten beeindruckt hat mich aber
die Führsorge und die sanfte Nähe, welche er dem kleinen Beaven entgegen
gebracht hat. Er hat soviel gute Eigenschaften weitergegeben, dass man da
nur laut "DANKE Ponsch" sagen kann.
Obwohl es zunächst nicht so aussah,
dass Ponsch sich übermäßig über den kleinen Familienzuwachs freut.:) Schon
das Abholen des Welpen von den Züchtern war ein Spaß, Beaven hatte 3/4 des
Kofferraums für sich und Teddy und Ponsch quetschten sich in die Ecken.
Und wehe der Welpe kam einem zu nah.
4 Wochen lang war Ponsch doch eher
distanziert und hat das kleine Tier einfach nur nicht beachtet und
ignoriert:
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Aber Beaven ließ nicht locker und
war umso beeindruckter von Ponsch. Bis der dann bereitwillig seine Plätze
mit ihm teilte:

Irgendwann stellte Ponsch dann
fest, dass man mit dem kleinen auch richtig etwas anfangen kann, da wurde
zusammen gebuddelt, am Bällchen gezerrt, gemeinsam Stöckchen geschleppt,
fangen gespielt. Ponsch hat das komplette Verhaltensrepertoire eines
Hundes wieder aufgefahren und genoss dadurch bei Beaven immer Respekt und
Anerkennung.


Ponsch Motto war:
Hauptsache immer dabei sein
und er war in seinen 10 Lebensjahren
auch nie mehr als einen Arbeitstag von mir getrennt. Man versucht ja
immer, dem Hund alles mögliche zu organisieren und so sollte z.B. Susi mal
mit ihm spazieren gehen, als ich auf Dienstreise war und erst in der Nacht
heim kam. Ponsch hat sich in der Hütte versteckt und war nur mit einem
Berg Leckerchen und langem betteln da raus zu bewegen. "Ich warte lieber
auf Frauchen..." Susi meinte dann auf dem Rückweg war er 3mal so
schnell.
Ponsch wurde
durch Beaven sogar zunehmend noch aktiver und war in seinen letzten beiden
Lebensjahren so fit, dass ihm nie jemand sein Alter angesehen hat.
Er wurde meist auf 5-6 geschätzt, auch
der Tierarzt meinte, der wird sicher 15. Aber man sieht halt nicht, wie es
im inneren aussieht. Sicher verdankt er es seiner hervorragenden
Kondition, seiner Lebensfreude und seinem Lebenswillen, dass er mit
diesem extrem vergrößerten Herz erst so spät überhaupt Probleme hatte.

Ponsch, wir
werden Dich nie vergessen !
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